Lehensurkunde von Postenden an Heinrich v. Hahn am 1. Nov. 1476
Wie broder Berndt van der Borch, meister to Liefflandt Dwtsschs ordens, bekennen undt betugen apenbar mith dissem apenen breve, dat wie mith rade undt vulborth unßir ersamen medegebediger Hinrich Hanen undt alle sienenn rechten waren erven gegeven undt vorleneth heben undt mith craft diss[e]s breves geven undt vorlenen synen wolgekoften kopp in sodanem lande undt lanthgude, alße dat Herman Krukenberch voir undt na em Diderick van Pastenden gaht, beseten undt gebruket heft undt alß datsuvige landt in den ampthen Goldingen undt candow im kerspill to Talßenn undt in sodanen marcken undt schedingen iß belegen, alße dat de belegen, alße det de olden leenbreve inneholden undt uthwißen, undt ver haken landes, belegen in eyner stede, geheten Gawylenn, undt eynen halven haken landes, belegen tusschen Dranynen undt dem have Vitczedenn, geheten Sardalcke. Ock geven undt vorlenen wie em sodann lanth, alß in disser nageschreven schedingen licht, dat ock de vorbenon(te) Krukenberch undt Didrick beseten hebben: inth erste antogaende an dem wege, de dar geith na Munyen, dar eyne kule gemaken iß upp eynem sype/ dat sypp upp to gaende beth to eyner eken, mith eynem crucze getekenth/ van der eyken bie den bomen, mith cruszen getekenth, to gaende beth to der beke. Nedenbeke geheten/ de beke over to gaende van cruszen, an bomen gehowen, beth to eyner beken, geheten Llembeke, dar eyn boem mith eynem cruecze iß/ van dar de beke neddir to gaende beth to eynem bome, mith eynem crucze getekenth/ van dem bome to gaende to velen bomen van bomen to bomen, de mith cruczen getekenth synth,beth to eynem broke/ vorth aver dat brock to gaende beth to eyner kulen/ van der kulen beth to eyner andern kulen/ vorth to gaende by cruczenn beth to der beke Nedembeke vorgenompt, dar eyne kule iß/ vorth aver de beke to gaende beth to eynem sype/ dat sypp up to gaende beth to dem vorbeno(mede)n wege undt kulen/mith allirley tobehoringe, mith beqwemicheit, wo de genometh sein edder genometh mogen werden, alß an ackern gerodeth undt ungerodeth, hoyslegen, weßen, weydenn, vedriften, holtingen, busschen, wolden, birßen, watern, beken, seen, sypen, honnichbomen, honnichweyden, vesscheryen, vogelyen etc, undt wor Hinrick Hane vorgemelth undt alle syne rechten waren erven mogen recht to hebben, nichtißnicht buthen bescheden, vorthan to hebbende, to besittende, to gebrukende undt to beholdende na leengudiß rechte vry undt vredesamichlicken to ewigen tiden. Des tor orkunde undt tor tuchnisse der warheit so hebben wie unße ingesegill unden an dissen breff lathen hangen, de gegeven iß to Wendenn in allir Godiß hilgen inn den jarenn na Cristi geborth dußenveerhunderth undt darna im soßundtseventigstenn.
Übertragung aus dem Mittelniederdeutsch in das Neuhochdeutsch:
Wir, Bruder Berndt von der Borch, Meister des Deutschen Ordens zu Livland, bekennen und bezeugen öffentlich mit diesem offenen Brief, daß wir mit Rat und Zustimmung unserer ehrsamen Mitgebietiger dem Heinrich Hahn und allen seinen rechtmäßigen Erben gegeben und verlehnt haben und kraft dieses Briefes geben und verlehnen seinen rechtmäßig erworbenes Land und Landgut, welches Hermann Krukenberg und nach ihm Dietrich von Postenden gehabt, besessen und genutzt hat und alles dazugehörige Land im Amt Goldingen und Kandau im Kirchspiel Talsen und was in anderen Gemarkungen und Gebieten [eigentlich: durch Scheidegang Festgelegtem] gelegen ist, wie das die Belege und auch der alte Lehnsbrief beinhalten und ausweisen, und vier Haken Land an einer Stelle, die Gawylenn (5 km südöstl. von Spahren) genannt wird, und einen halben Haken Land, gelegen zwischen Dranynen und dem Hof Vitczedenn (Vizehden, ssw von Talsen), genannt Sardalcke. Auch geben und verlehnen wir ihm weiterhin Land, das in der folgenden Gebieten liegt, welches auch die vorgenannten Krukenberg und Dietrich besessen haben: ausgehend von dem Weg, der nach Muneyn führt, wo eine Kule an einem Sumpf gemacht ist - den Sumpf hinaufgehen bis zu einer Ecke, die mit einem Kreuz gekennzeichnet ist, von der Ecke bis zu einem Baum, der mit einem Kreuz gekennzeichnet ist, weiter bis zum Bach. Den Bach entlang gehen, den Bach überqueren dort wo Kreuze in Bäume gehauen worden sind bis zu einem Bach, genannt Lembach, wo ein Baum mit einem Kreuz ist, den Bach hinunter gehen bis zu einem mit einem Kreuz gekennzeichneten Baum, von diesem Baum zu vielen Bäumen entlang der Bäume, die mit einem Kreuz gekennzeichnet sind bis zu einem Bruch, weiter über diesen Bruch bis zu einer Kule gehen, von dieser Kule bis zu einer anderen Kule und weitergehen nach den Kreuzen bis zum Bach Nedembach (Niederbach?) weiter bis wo eine Kule ist, weiter über den Bach gehen bis zu einem Sumpf, dem Sumpf entlanggehen bis zum vorgenannten Weg und Kule mit allerlei Dazugehörendem, mit Nutzbarem, wie sie auch genannt werden oder genannt werden können: Äcker, gerodet und ungerodet, Heuschläge, Wiesen, Weiden, Viehtriften, Gehölzen, Büsche, Wälder, Jadgrechten, Gewässer, Tümpel, Seen, Sümpfe, Honigbäume, Honigweiden, Fischrereien, Vögelgehege usw., und woran der genannten Heinrich Hahn und alle seine rechtmäßigen Erben das Recht haben, ohne Ausnahme fortan zu haben, besitzen gebrauchen und zu behalten entsprechend der Lehnsgüter Rechte frei und unangefochten bis in ewige Zeiten. Das zu beurkunden und die Echtheit zu bezeugen haben wir unser Siegel unten an diesen Brief gehängt. Gegeben ist es zu Wenden am Tage Allerheiligen in dem Jahr nach Christi Geburt eintausenvierhundert und danach im sechsundsiebenzigsten (1476).